fair ethics


fair ethics wurde gegründet von dem Berliner Kunstwissenschaftler und Kurator Wolf Guenter Thiel und dem Künstler Gerhard Bär. Die beiden arbeiten seit Anfang 2001 zusammen. 

Gerhard Bär und Wolf Guenter Thiel haben eine Vielzahl von künstlerischen Interventionen gemeinsam realisiert. Bär konzipiert  die künstlerische Intervention. Thiel arbeitete die kunsttheoretische und soziokulturelle Bedeutung auf und dokumentiert sie. Beide zusammen konzipieren die Kommunikationsdramaturgie. Die Interventionen haben in eigentlichen wirtschaftlichen Zusammenhängen nachhaltig das Bewusstsein der jeweiligen Projektpartner und ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Umfelder verändert. Diese Veränderung wurde deutlich in der Selbstwahrnehmung des eigenen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Handelns der Projektpartner. Diese Selbstwahrnehmung führt im Resultat zu einer veränderten Öffentlichkeitsarbeit und zu einer sukzessiven Veränderung der Fremdwahrnehmung durch Medien und Öffentlichkeit Das künstlerische Konzept von Bär und auch der kunsttheoretische Ansatz von Thiel innerhalb dieser Zusammenarbeit, versteht sich in der Tradition der sozialen Plastik von Josef Beuys. 

fair ethics ist ein Forum für Autoren, Intellektuelle und Wissenschaftler, die im Bereich der Kunst und vergleichenden Kulturwissenschaften publizieren. Ziel ist es pointierte Thesen zur Diskussion stellen, die sich im weitesten mit den Begriffen Ästhetik und Ethik beschäftigen. Anlässe sind Präsentationen, Vorträge oder Worksshops. Referenten stellen ihre Theorien, Ideen oder Forschungsergebnisse vor. Der Begriff ethics umschreibt das humanistische und sozio-kulturelle Selbstverständnis, das wir mit dem Begriff fair ethics zum Ausdruck bringen. Es geht darum, wie sich die Lebensbedingungen innerhalb heutiger Gesellschaften durch kulturelle und künstlerische Interventionen bemerkbar verbessern lassen.

fair ethics lädt in unregelmäßigen Abständen Künstler zu Ausstellungen ein. Die Künstler arbeiten zu Themen, die sich aus dem Selbstverständnis von fair ethics ergeben. Diese Künstler erhalten ein Forum, in der die Arbeit über den Ausstellungszeitraum wissenschaftlich, kritisch und publizistisch begleitet wird.

Im Unterschied zu den Vorstellungen in der Kunstgeschichte, geht es bei fair ethics nicht um eine generelle Weltveränderung oder um die gnadenlose Durchsetzung ideologischer Linien. Die russischen Konstruktivisten wollten 1917 wie die Futuristen und viele andere Manifestanten der Moderne auch, die Welt über Agitation und Aktivismus verändern. Sie wollten direkten Einfluss auf das Bewusstsein und die Lebensumstände der Menschen nehmen. fair ethics überschätzt sich nicht, aber unterschätzt sich auch nicht. fair ethics trägt einen bescheidenen Teil bei. 

fair ethics wurde in der Karl Marx Strasse in Berlin Neukölln gegründet. Diese Stadtquartier gilt als einer der sozialen und kulturellen Brennpunkte Berlins und ist weit über die Stadtgrenzen berühmt berüchtigt.

Berlin Neukölln ist eines der prototypischen Stadtquartiere, in denen neue kulturelle Identität entsteht. Diese Identität entsteht aus dem Lokalkolorit. Historisch gewachsene kulturelle Besonderheiten treffen auf eine Vielzahl neuer kultureller Einflüsse aus den unterschiedlichen Weltkulturen. Lösungsmodelle für die so genannten „Clashs of Civilization“ werden hier tagtäglich entwickelt, erprobt und etabliert. Lösungen für die Kulturkonflikte, jenseits der großen Politik, im tagtäglichen Umgang. In Berlin Neukölln entstehen übertragbare und erprobte Verständigungsmodelle zwischen den Kulturen, Religionen und Lebensauffassungen. Hier entsteht global gesehen anschlussfähige und nachhaltige kulturelle Substanz.

Der Begriff fair hat im allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein erheblich an Bedeutung verloren. Jenseits von „fair play“, „fair trade“, „fair use“ und dem Messebetrieb scheint der Begriff nicht mehr zu existieren. Es ist kein Wert an sich mehr, fair zu sein. Der Einzelne fühlt sich innerhalb der Gesellschaft-schlimmer in der täglichen Erfahrung-nicht mehr fair behandelt. Fairness bringt nicht nur eine ethische und ästhetische Haltung zum Ausdruck, sondern ist Grundlage jedes ökonomischen, sozialen und kulturellen Handelns. Wenn Handeln anschlussfähig und nachhaltig sein will, muss es fair sein.

Die großen Herausforderungen dieser Welt lassen sich nur fair lösen. Solange man die Ökologie nur ökonomisiert, aber nicht das ethische Selbstverständnis der gesellschaftlichen Eliten erreicht, wird sich nichts wirklich verändern lassen. Dies gilt für alle Herausforderungen der Gesellschaft gleichermaßen.

Der Zusammenhang von Kunst, Ästhetik und Ethik gerät aus dem Blickpunkt. Hierbei ist nicht allein die humanistische Integrität und soziale Kompetenz gemeint. Vielmehr geht es um das traditionelle Selbstverständnis der Künstler in Bezug auf ihre Kunstproduktion und die Integrität ihrer Kunstproduktion. Es geht um eine Arbeitsethik in der Kunst, die für weite Teile der Gesellschaft und ihrer Eliten vorbildlich sein könnte. 

Die Autoren, die Interpreten, die Deuter und Kritiker der Kunst werden im heutigen Kunstbetrieb markttechnisch instrumentalisiert, assimiliert und korrumpiert. Dieselben werden durch diese Behandlung unglaubwürdig und sukzessive in die Inkompetenz entlassen. Die Querdenker und traditionellen Kritiker finden keine wirkliche Bühne für ihre Ansichten. Wenige weichen auf die wissenschaftliche Arbeit aus und selbst da gibt es systembedingte Beschränkungen. Gerade solche Wissenschaftler, Autoren und auch Intellektuelle erhalten die Möglichkeit, über ihre Ideen zu sprechen. Darüber hinaus werden wir für sie werben, für sie potentielle Interessenten oder Förderer einladen, um einen inhaltlichen Austausch zu ermöglichen.